Stricken und Tierwohl

Artikel veröffentlicht unter: 3. Apr 2024 Autor des Artikels: Anna Allers
Stricken und Tierwohl: Strickprojekte mit gutem Gewissen
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Meinen Blog hier mit WUNDERSIE möchte ich mit einem sensiblen und wichtigen Thema starten: Stricken und Tierwohl. Die Leitfrage ist: Wie erkenne ich Wolle, bei der es den Tieren gut ging?

Noch vor der GrĂŒndung von WUNDERSIE beschlossen wir, mit unseren Produkten vielen Stricker:innen Freude zu bereiten und das nicht auf Kosten anderer.

Genau darum geht es mir beim heutigen Thema.

Ich stricke sehr gern und ich möchte mein Hobby nicht auf Kosten der Tiere ausĂŒben.

Über die Zeit als Strickerin hörte ich immer mal wieder von den grauenvollen Praktiken in der Wollindustrie. Und ehrlich gesagt, beschĂ€ftigte ich mich lange Zeit rein oberflĂ€chlich mit diesem Thema. So war auch ich nicht immer ein Vorbild. Doch es kam der Punkt, an dem mir klar wurde, dass ich mit jedem gekauften WollknĂ€uel die Möglichkeit habe, mich fĂŒr das Tierwohl einzusetzen.

Im Januar 2024 sprach ich mit Marco Scheel, dem GrĂŒnder von Nordwolle, zu dem Thema. Dazu gibt es einen Fusseltalk (das ist ein Live-Interview) auf meinem Instagram. Dort lernte ich viel ĂŒber die Wollindustrie und wie sie mit dem Tierwohl in Verbindung steht. 

Meine Learnings zum Thema Stricken und Tierwohl findest Du gleich unten.

Außerdem stehen am Ende noch GeschĂ€fte, bei denen Du bedenkenlos fĂŒr Deine Strickprojekte nach Wolle stöbern kannst. Denn hier wird Wert auf das Tierwohl gelegt. 

Das erwartet Dich:

  • Was fĂŒr Schafarten gibt es?
  • Welches ist das bekannteste Wollschaf?
  • Wie sieht es mit den Langwollmerinos in Deutschland aus?
  • Was ist dieses Mulesing? 
  • Worauf sollte geachtet werden?
  • Wie sieht es mit Landschafrassen in Deutschland aus?
  • Hier kannst Du guten Gewissens Wolle fĂŒr Deine Strickprojekte kaufen.

 

Stricken und Tierwohl: ANWEN Rundstricknadeltasche

 

Was fĂŒr Schafarten gibt es?

Im Wesentlichen gibt es vier verschiedene Schafarten: Fleischschafe, Milchschafe, Landschafe und Wollschafe.

đŸ‘‰đŸ» Fleischschafe leben fĂŒr den Fleischertrag.

đŸ‘‰đŸ» Milchschafe hauptsĂ€chlich fĂŒr Milch.

đŸ‘‰đŸ» Wollschafe fĂŒr die Wollproduktion.

Und die Landschafe pflegen die Landschaft. 

HĂ€ufig findet sich diese auch in deren Namen wieder, wie Rhönschaf, Coburger, Fuchs, Bentheimer Landschaf etc. Sie zeichnen sich meistens durch GenĂŒgsamkeit und WiderstandsfĂ€higkeit aus, welches sie ideal fĂŒr die Pflege auch karger Landschaften macht. Das klingt erst mal nicht so ansprechend, doch diese Schafe kommen damit wunderbar zurecht. 

Alle diese Schafrassen mĂŒssen 1–2 Mal im Jahr geschoren werden, dabei sind besonders die Wollschafe fĂŒr die Wollproduktion am wichtigsten. Bei den anderen drei Schafrassen ist es ĂŒblich, die geschorene Wolle zu entsorgen. 

Es gibt auch noch Haarschafe, doch diese sind mit ihren Haaren fĂŒr die Wollindustrie uninteressant. Da diese einen natĂŒrlichen Fellwechsel haben, sind es die einzigen Schafe, die nicht geschoren werden mĂŒssen.

Welches ist das bekannteste Wollschaf?

Die wohl bekanntesten Wollschafe sind die aus der Gruppe der Merinoschafe. Dank seiner besonders weichen Wolle ist sie die meistverwendete Wolle der Wollindustrie.

Weltweit sind die Langwollmerinoschafe die gefragtesten wegen ihrer vieler feinen Wolle. 

Diese Schafe werden fĂŒr den Wollertrag gehalten und die Lebensbedingungen dafĂŒr sind von Land zu Land unterschiedlich. TierquĂ€lerei ist hier nicht ausgeschlossen. 

Wie sieht es mit den Langwollmerinos in Deutschland aus?

Langwollmerinos gibt es kaum noch in Deutschland. Sie wurden damals aus Spanien in der DDR eingefĂŒhrt und fĂŒr den Wollertrag gehalten. In der Nachkriegszeit lohnte sich das Verkaufen der Wolle noch, sodass viele Schafe zum einzigen Zweck der Wollproduktion gehalten wurden.

Das Klima in Deutschland ist fĂŒr Langwollmerinos allerdings zu feucht. Deren saugstarke und feine Wolle kann hier nicht trocknen. So haben sie ein stĂ€ndig feuchtes Fell, was auf Dauer nicht gesund fĂŒr die Schafe ist. Sie benötigen ein trockeneres Klima. Und da eine Schafhaltung fĂŒr fokussierte Wollherstellung heutzutage nicht mehr rentabel ist, gibt es in Deutschland nur noch vereinzelt Langwollmerinos. 

In Deutschland sind die Merinolandschafe hingegen wahre Multitalente. Sie werfen viel Fleisch ab, pflegen die Landschaft und geben pro Jahr etwa 3–4 kg Rohwolle ab. 

Was ist dieses Mulesing?

Es ist eine brutale Methode, um den Schafen das Leben zu retten. 

Merinoschafe kommen ursprĂŒnglich aus Afrika und fĂŒhlen sich in einem warmen Klima pudelwohl. VerstĂ€ndlich also, dass Australien und Neuseeland die top Exporteure fĂŒr feine Merinowolle sind. Doch leider fĂŒhlt sich dort auch eine Fliegenart pudelwohl.

Durch ZĂŒchtung wurde die Haut der Schafe mehr, wobei ihre GrĂ¶ĂŸe gleich blieb.

Dadurch entstehen mehr Hautfalten.

Und hier kommen die Fliegen ins Spiel.

In den Falten im After- und Vulvabereich nisten sie sich ein und legen Eier. Die daraus schlĂŒpfenden Larven fressen die Schafe dann bei lebendigem Leibe. 😱 

Um den Tod der Tiere zu vermeiden, schneidet der Farmer die Hautfalten im After- und Vulvabereich ab. Das ist Mulesing. Alternativ wird das Schaf in ein Chemiebad getaucht. Beides ist schlecht fĂŒr das Schaf. 

Noch wichtig zu wissen: Die Fliegenart, wegen der man Mulesing betreibt, gibt es bislang nur in Australien und Neuseeland. Merinowolle aus anderen LĂ€ndern, wie SĂŒdafrika oder Peru, ist grundsĂ€tzlich Mulesing frei. Was nicht unbedingt bedeutet, dass sie gut gehalten wird, aber wenigstens etwas. đŸ™đŸ»

Worauf sollte geachtet werden?

Gern wĂŒrde ich Dir hier sagen, dass die glĂŒcklichen Schafe unter den Landschafrassen zu finden sind, doch das wĂŒrde der RealitĂ€t nicht gerecht werden. Wie Du Dir denken kannst spielen mehr Faktoren beim Tierwohl eine Rolle als nur die Rasse.

Wir beschrÀnken uns hier auf Deutschland. Durch die regelhafte Haltung im Freien werden Schafe in Deutschland meist artgerecht gehalten. 

Hier ist aber erkennbar, dass besonders die fĂŒr die Landschaftspflege verwendeten Landschafe besonders viel Auslauf haben. Es gibt sogar noch vereinzelt WanderschĂ€fereien, die das ganze Jahr ĂŒber mit ihren Schafen in einem Gebiet unterwegs sind. Die Wolle der Landschafe ist etwas rustikaler und dennoch lĂ€sst sie sich zu tollen Strick-Garnen verarbeiten. 

Unter den Landschafrassen in Deutschland gibt es auch Merinolandschafe. Anders als die Langwollmerinos, lassen sie sich gut in Deutschland halten.

Wie sieht es mit Landschafrassen in Deutschland aus?

Wie schon erwÀhnt ist die Wolle von Merinolandschafen robust und rustikal.

Der globale Markt hingegen interessiert sich fĂŒr feine Wolle, besonders bei Merinoschafen. Feine Wolle hingegen ist unter den heimischen Landschafrassen schwer zu finden. Neben der unzureichenden Subventionierung der Schafhaltung, der wenig ausgeprĂ€gten Wolltradition in Deutschland und dem Fakt, dass Schafwolle in der EU als SondermĂŒll zu entsorgen ist, erklĂ€rt das, warum es in Deutschland nahezu keine Wollindustrie mehr gibt. 

Noch wichtig zu wissen: gerade die geringe Subventionierung bringt professionelle SchĂ€fer-Betriebe dazu auch LĂ€mmer zu verkaufen. So werden Tiere zur Landschaftspflege und Fleischproduktion parallel gehalten. Das Merinolandschaf ist hier ein wahrer Triathlet. Es gibt gutes Fleisch, 3–4 kg Rohwolle pro Jahr und erhĂ€lt seine umgebende Landschaft. 

Und besonders im SĂŒden Deutschlands ist die Vielfalt der Rassen hoch.

Und die Zeit mit Abnehmer dieser Wolle scheint wieder aufzublĂŒhen. đŸ„ł

Nur als Info. In der Nachkriegszeit lohnte es sich, Schafe zu halten und schwerpunktmĂ€ĂŸig die Wolle davon zu verkaufen. Doch jetzt liegt der Kilopreis nicht mehr bei 8 DM, sondern bei 0,2 Euro pro Kilo Rohwolle. 

Endlich gibt es Projekte, die aus dieser tollen Wolle Produkte herstellen.

❗Solche Projekte leisten viel.❗

Das Abnehmen lokaler Wolle schĂŒtzt lokale Schafrassen und trĂ€gt zur Artenvielfalt bei.

Diese Schafe leben gut.

Diese Schafe leben glĂŒcklich.

Wobei gesagt werden muss, dass es letztlich vom SchĂ€fer-Betrieb abhĂ€ngig ist, ob die Schafe wirklich glĂŒcklich leben. Doch die Rahmenbedingungen in Deutschland bieten gute Chancen dafĂŒr. ✹

Schafrassen in Deutschland sind zum Beispiel:

  • das Coburger Fuchsschaf,
  • das GotlĂ€ndische Pelzschaf
  • und das Jakobschaf.
  • NatĂŒrlich ist auch das Pommernschaf mit dabei.

Und in England sind es unter anderem die Shetland Schafe, welche sich eines guten Lebens erfreuen. All diese Rassen sind Landschafrassen. 

Doch wie findest Du jetzt heraus, ob hinter Deiner Wolle ein glĂŒckliches Schaf steckt?

Das ist schwer!

Die Schafrasse hinter der Wolle ist hĂ€ufig nicht aufgefĂŒhrt, geschweige denn der Schafhalter. Da steckt noch Potenzial fĂŒr Transparenz. Vorstellbar, dass hier bald eine Art GĂŒtesiegel zu mehr Übersicht verhilft.

Aus diesem Grund recherchierte ich, wo Du guten Gewissens Wolle fĂŒr Dein nĂ€chstes Projekt kaufen kannst. 

Stricken und Tierwohl: Wolle im Korb

Hier kannst Du guten Gewissens Wolle fĂŒr Deine Strickprojekte kaufen.

In dieser Liste findest Du Wollhersteller und HandfÀrber, die Wolle von, teils sogar regionalen, Landschafrassen verwenden und genau so viel Wert auf Nachhaltigkeit und Tierwohl legen wie wir bei WUNDERSIE.

1. Rauwerk mit Sitz in MĂŒnchen produziert Merino-Garne, die von deutschen Merinolandschafen kommen. Außerdem verkaufen sie die Wolle von anderen europĂ€ischen Marken, denen Tierwohl auch wichtig ist.

2. Garthenor ist ein Betrieb aus Großbritannien. Er ist sehr prĂ€sent auf dem deutschen Markt. Deren Wolle kommt von britischen Schafrassen und sie legen sehr viel Wert auf das Tierwohl.

3. MĂ€hrle, die glĂŒckliche Wolle aus Deutschland. Deren Website ist so transparent, dass Du sogar nach Schafrassen shoppen kannst.

4. Naturkinder ist ein Onlineshop mit Garnen und ausgewĂ€hlten Produkten fĂŒr Stricker:innen. In deren Angebot finden sich unter anderem Fuchsschafwolle und Merinowolle aus Deutschland. 

5. Woollentwine stellt immer wieder neue und regionale Garne vor. Hinter Woollentwine steht eine Frau namens Jule. Als HandfĂ€rberin wĂ€hlt sie vor Ort Garne aus, die regional hergestellt und mit Pflanzenfarben von Hand gefĂ€rbt wurden. Sie ließ sich sogar aufwendig Seidenmohairgarn produzieren, ohne, dass die Seidenraupen sterben mussten. Das alles tut sie aus tiefster Überzeugung und mit grĂ¶ĂŸtmöglichem Respekt fĂŒr ihre Umwelt.

6. rh:ool Yarn ist ein GeschĂ€ft aus DĂŒsseldorf. Frieda ergriff Eigeninitiative und kaufte einem SchĂ€fer 300 kg Wolle ab. Diese hat sie aufbereiten lassen und verkauft jetzt die Wolle der DĂŒsseldorfer Rheinschafe.

7. Elbwolle kommt aus der NĂ€he von Hamburg und verwendet Wolle der norddeutschen Landschafrassen fĂŒr verschiedenste Zwecke.

8. Frankenwolle begann mit einem Handschlag zwischen Kai und einem SchĂ€fer ĂŒber einen riesigen Batzen geschorene Wolle. Und jetzt kann er stolz verkĂŒnden, dass sein Garn 100 Prozent von regionalen Schafen kommt. Er ist sogar regelmĂ€ĂŸig bei der Schur dabei. Als einer der lieber einfach mit den Leuten vor Ort spricht/telefoniert, als sich im Web tot zu recherchieren, hat er eine starke Macher-Einstellung.

9. Lykke Sheepfarm ist eine SchÀferin aus Norddeutschland. Sie bietet die Wolle ihrer eigenen Schafe an.

10. Schafwolle Höfer ist eine Spinnerei, welche sich auf regionale Wolle spezialisiert. Sie arbeitete z. B. auch mit dem WanderschÀfer Sven de Vries (@schafzwitschern) zusammen.

11. Paula & Konsorten ist eine der letzten WanderschĂ€ferei, die jegliche Produkte rund um ihre Schafe (Wolle, Wurst, DĂŒnger) als Direktvermarktung vertreibt.

12. WollblĂŒte ist ein kleiner Familienbetrieb aus Klingenberg. Neben der Wolle ihrer eigenen 10 Schafe lassen sie auch Wolle regionaler SchĂ€fer zu verschiedenen Wollprodukten verarbeiten. Ihr Ziel ist, die Besonderheit der heimischen Wolle aufzuzeigen und die SchĂ€fer mit der Abnahme der Wolle zu unterstĂŒtzen. 

Es gibt auch noch Westfalen Wolle und Finkhof und bestimmt noch viele andere, die ich noch nicht kenne.

Hoffentlich hast Du heute etwas Neues gelernt und freust Dich ĂŒber das neu aufgesaugte Wissen. Ich freue mich, wenn Du hier bei uns im Shop stöberst.

Dort findest Du Produkte aus Lederpapier, um Deine Stricknadeln sicher und sorgsam aufzubewahren. 

Abonniere mein Instagram und folge dem Annaletter, dem offiziellen Newsletter von WUNDERSIE, und bleibe damit immer auf dem Laufenden. Denn wir arbeiten stĂ€ndig an neuen Produkten. âšĄïž

 

Um große Menge Rundstricknadel aufzubewahren

 

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Kommentare 1

Hallo liebe Anna,

vielen Dank fĂŒr diesen sehr informativen Blog-Beitrag!

Ich stricke seit meiner Kindheit sehr gerne und habe mir bis jetzt wenig Gedanken zur Herkunft meiner Wolle gemacht. Das wird sich jetzt Àndern, denn heute habe ich viel gelernt.

Ich habe viel Freude an diesem Blog, dem Instagram Account und der KreativitÀt, QualitÀt und Liebe, die hinter WUNDERSIE steckt!

Viel GlĂŒck und Erfolg wĂŒnsche ich euch auf eurem wunderbaren WUNDERSIE Weg!

Wollige GrĂŒĂŸe,
Sarah

Sarah Riedel

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